Verbandskasten für die Seele

Regionalgruppe des Projektes „Verrückt? Na und!“ arbeitet erfolgreich

Erste Hilfe mal anders
Was gehört in einen Erste-Hilfe-Koffer für die Seele? Antworten auf diese Frage geben im Projekt „Verrückt? Na und!“ (v. l.) Psychiatriekoordinator Jan Oliver Wienhues, John Milbert als persönlicher Experte, Regionalgruppenkoordinatorin Alexa Krause und Helmut Woitkowski als fachlicher Experte. Foto: Wilhelm Müschenborn/ Kreis Soest
Pressemeldung vom 12.02.2020 10:00

Kreis Soest (kso.2020.02.12.050.ak/-rn). Immer mehr Menschen, zunehmend auch Jugendliche und junge Erwachsene, werden aufgrund einer psychischen Erkrankung behandelt. Deshalb wurde im Kreis Soest 2017 eine Regionalgruppe des Projektes "Verrückt? Na und!" gegründet. Schon 2018 war die Gruppe mit 24 durchgeführten Schultagen die zweiterfolgreichste in NRW, 2019 konnte dieser Erfolg wiederholt werden. Bislang wurden insgesamt 55 Schultage an 15 verschiedenen Schulen organisiert und dabei insgesamt 1.402 Schülerinnen und Schüler erreicht.


Dieses Ergebnis freut alle Beteiligten. In der Regionalgruppe arbeiten mit der Kreis Soest, die LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein, der SKM (Sozialdienst katholischer Männer) Lippstadt, der BAHS e. V. Warstein (Integration durch Beschäftigung, Arbeit und Hilfe zur Selbsthilfe), das ESTA-Bildungswerk, der Phönix e. V. Soest (Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch kranke Menschen), die BAKS (Behinderten-Arbeitsgemeinschaft Kreis Soest) und Selbsthilfegruppen. „Entgegengesetzt zum demografischen Wandel in der Gesellschaft betreffen psychische Erkrankungen zunehmend junge Menschen. Dem wollen wir entgegen wirken“, bringt Regionalgruppenkoordinatorin Alexa Krause die Zielsetzung auf den Punkt. Bis Sommer 2019 koordinierte Jan Oliver Wienhues, Psychiatriekoordinator des Kreises, die Regionalgruppe, an deren Gründung er maßgeblich beteiligt war. Nach den Sommerferien übergab er den Staffelstab an Alexa Krause, Fachkraft für Suchtprävention der Kreisverwaltung.

So funktioniert „Verrückt? Na und!“: Ein Team mit einem Fachexperten, zum Beispiel einer Psychologin oder einem Sozialarbeiter, und einem Menschen, der seelische Krisen gemeistert hat, besucht Schulklassen oder Auszubildende, um sich mit ihnen und ihren Lehrkräften offen über die Fragen zur seelischen Gesundheit auszutauschen. Typische Themen sind Leistungsdruck, Mobbing, Trennung der Eltern, Krankheit in der Familie, Süchte oder Zukunftssorgen. Alexa Krause: „In jedem Kfz ist es Pflicht, einen Verbandskasten mitzuführen, ansonsten droht ein Bußgeld. Ein Erste-Hilfe-Koffer für die Seele klingt hingegen erstmal gewöhnungsbedürftig. Doch auch das ist möglich und wird beim Schultag thematisiert: Was gehört für mich persönlich in so einen Kasten? Was hilft mir, wenn es mir mal nicht so gut geht? Für den einen ist es ein Spaziergang mit dem Hund, für die andere ein entspannendes Bad.“

Der Höhepunkt des Aktionstags ist jeweils das Gespräch mit den Betroffenen. Die Schüler erfahren, wie sich eine Depression oder eine Psychose anfühlen, wo es Hilfe gibt und was sie selbst, Freunde, Eltern und Lehrer tun können. Kreis-Psychiatriekoordinator Jan Oliver Wienhues: „Wir als Experten für seelische Gesundheit haben 2017 die Regionalgruppe ins Leben gerufen, weil wir wissen, dass seelische Krisen und Erkrankungen häufig vorkommen und oft in der Jugendzeit beginnen, sie immer noch tabuisiert sind und Betroffene oft zu spät Hilfe finden. Deshalb wollen wir Schülern und Lehrern einfache und wirksame Wege zeigen, wie sie gemeinsam seelische Gesundheit stärken und Krisen meistern können, damit alle gut ihren Schul- und Berufsabschluss schaffen.“

Das Konzept „Verrückt? Na und!“ wurde vom „Irrsinnig Menschlich e. V.“  aus Leipzig entwickelt. Es ist Modellprojekt für die Umsetzung der nationalen Gesundheitsziele „Gesund aufwachsen“ und „Depressive Erkrankungen verhindern“. Hintergrund: Seelische Erkrankungen betreffen im Laufe des Lebens jeden dritten bis vierten Menschen. In Deutschland zeigen 20 bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen seelische Auffälligkeiten, 12,4 Prozent davon sind sozial und familiär stark belastet.


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